Klatschen alleine genügt nicht: Faire Pflegelöhne jetzt!

Veröffentlicht am 03.04.2021 in Arbeit

Vollzeitbeschäftigte in Betrieben ohne Tarif arbeiten durchschnittlich 54 Minuten länger und verdienen 11% weniger als Mitarbeiter*innen in Betrieben mit Tarifbindung. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Während im Jahr 2000 mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben arbeitete, sind es im Jahr 2019 nur noch 52 %.

Noch alarmierender: Die Zahl der Pflegekräfte ist weiter zurückgegangen. Pflegekräftemangel und schlechte Bezahlung sind dafür ursächlich. Die hohe körperliche und psychische Belastung führt außerdem dazu, dass etliche ihre Ausbildung nicht beenden oder nach dem Abschluss nicht in den Beruf eintreten.

Deshalb muss neben generell besseren Arbeitsbedingungen eine zentrale Forderung sein, in der Pflege deutlich besser zu entlohnen.

"Bereits 2019 hatte Minister Hubertus Heil (SPD) mit einem Pflegelöhne-Verbesserungsgesetz zwei Wege eröffnet, um bessere Löhne in der Altenpflege zu ermöglichen. Erstens durch eine Mindestlohnkommission, die im Januar 2020 höhere Mindestlöhne in der Pflege auch für qualifizierte Pflegekräfte durchsetzte. Doch gab es zweitens für Hubertus Heil eine bevorzugte Lösung: Ein von Gewerkschaften und Arbeitgeber*innen ausgehandelter Tarifvertrag, der vom Ministerium für die gesamte Branche als allgemeinverbindlich erklärt werden kann und damit für alle Arbeitnehmer*innen gültig ist. Darauf hatte sich Anfang Februar die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) verständigt und bereits im vergangenen Jahr den Arbeitsrechtlichen Kommissionen von und Diakonie ein Zwischenergebnis ihrer Verhandlungen zur Anhörung vorgelegt. Deren Zustimmung war Voraussetzung, um das Tarifergebnis wie geplant über das Arbeitnehmerentsendegesetz auf die gesamte Pflegebranche ausweiten zu können. Heil: „Umso bedauerlicher ist, dass der zweite Weg, den der Gesetzgeber geschaffen hat, … am mehrheitlichen Votum der Caritas gescheitert ist."
(aus Vorwärts 2/2021)

Weil die Caritas nicht zugestimmt hat und eine Blockadehaltung einnimmt, sind Hundertausende Pflegekräfte vor allem bei den kommerziellen Pflegeanbietern nun die großen Verlierer, denn der Tarifvertrag kann nun nicht mehr allgemeinverbindlich werden. Ein flächendeckender Tarifvertrag zu Mindestbedingungen in der Altenpflege hätte bis zu 25% höhere Löhne gebracht.

Deshalb unsere große Bitte: Petition an die Caritas jetzt unterschreiben:

https://aktion.campact.de/caritas/appell/teilnehmen-2

Jede Stimme zählt. Vielen Dank.